Leben und Werk von Heinrich Böll - eine Chronik

Biographie

Heinrich Böll (1917-1985) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Sein literarisches Erbe und sein aktives Bürgerschaftliches Engagement dienen als unerschöpfliche Inspirationsquelle für unsere heutige Arbeit. Heinrich Böll setzte sich für Frieden, Toleranz und Freiheit ein, unterstützte und verteidigte Künstlerinnen und Künstler nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Seine Romane, Erzählungen und Essays sind heute immer noch sehr aktuell. Wir erinnern in einer Chronik an seine Lebensabschnitte, Schriften und Interventionen.

Foto: Heinrich Böll am Rhein
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Heinrich Böll am Rhein

1917
Heinrich Böll wird am 21. Dezember als 6. Kind des Schreinermeisters und Holzbildhauers Viktor Böll und seiner Frau Maria in Köln geboren.

1921
Umzug der Familie aus der südlichen Kölner Altstadt in den ländlichen Bezirk Köln-Raderberg.

1924-1928
Besuch der Volksschule in Köln-Raderthal.

1928-1937
Besuch des staatlichen humanistischen Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums in Köln

1929 
Im Zuge der großen Weltwirtschaftskrise ging eine kleine Genossenschaftsbank für Handwerker, für die Viktor Böll Anteilsscheine erworben hatte, in Konkurs. Das Haus in Raderberg muß verkauft werden. Die Familie zieht zurück in die Kölner Südstadt (Ubierring)

1937
Heinrich Böll legt im März das Abitur ab und beginnt in der Buchhandlung Math. Lempertz in Bonn eine Lehre, die er wenig später wieder abbricht.

1938
Im November wird Heinrich Böll zum Arbeitsdienst eingezogen.

1939
Im April immatrikuliert sich Böll an der Universität. Im Herbst erhält er den Einberufungsbescheid zum Militärdienst.

1939 (August) - 1940 (Mai)
Ausbildungslager Osnabrück.

1940
Besatzungssoldat in Polen und Frankreich.

1941
Wachsoldat in Deutschland.

1942 (Mai) -1943 (Oktober)
Besatzungssoldat in Frankreich

1943 (Oktober) - 1944 (Juli)
Soldat in Rußland und Ungarn

1944 - 1945
Bis zur Gefangennahme im April 1945 Einsätze und Aufenthalte an verschiedenen Orten in Deutschland.

1945
Geburt und Tod des Sohnes Christoph; Umzug nach Köln

1947
Geburt des Sohnes Raimund. Als erste Veröffentlichung erscheint die Erzählung »Aus der Vorzeit« am 3. Mai im Rheinischen Merkur.

1948
Geburt des Sohnes René.

1949
Erster Verlagsvertrag und erste Buchveröffentlichung: Der Zug war pünktlich.

1950
Geburt des Sohnes Vincent. Als Aushilfsangestellter arbeitet Böll für die Stadt Köln bei der Volkszählung 1950; er wird bei der Gebäude- und Wohnungszählung eingesetzt (Juni 1950 - April 1951).

Im Friedrich Middelhauve Verlag erscheint der Band mit Kurzgeschichten: Wanderer, kommst du nach Spa...

1951
Erste Einladung zu einer Tagung der von Hans Werner Richter geleiteten »Gruppe 47« in Bad Dürkheim. Böll erhält den Preis der Gruppe für die satirische Erzählung Die schwarzen Schafe.

Der Roman Wo warst du, Adam? erscheint als seine letzte Publikation im Friedrich Middelhauve Verlag.

1952
Heinrich Böll wechselt zum Verlag Kiepenheuer & Witsch.

1953
Als erster Roman bei Kiepenheuer erscheint Und sagte kein einziges Wort.

1954
Umzug der Familie in ein eigenes Haus in Köln-Müngersdorf. Der Roman Haus ohne Hüter wird veröffentlicht; erste Reise nach Irland.

1955
Das Brot der frühen Jahre wird publiziert.

1956
Böll tritt erstmals öffentlich als Redner anläßlich der »Woche der Brüderlichkeit« in Erscheinung.

1957
Das Irische Tagebuch, dessen einzelne Teile seit 1954 vorabgedruckt worden waren, wird als Sammelband veröffentlicht.

1958
Dr. Murkes gesammeltes Schweigen und andere Satiren werden verlegt

1959
Der Roman Billard um halb zehn wird veröffentlicht.

1961
Der in München neugegründete Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) bringt als Nr. 1 Bölls Irisches Tagebuch heraus. Im Herbst liefert der Verlag Kiepenheuer & Witsch den Sammelband Erzählungen, Hörspiele, Aufsätze aus.

1962
Der Insel-Verlag publiziert die beiden Erzählungen Als der Krieg ausbrach und Als der Krieg zu Ende war.

1963
Der Roman Ansichten eines Clowns erscheint.

1964
Die Erzählung Entfernung von der Truppe wird veröffentlicht.

1966
Die Erzählung Ende einer Dienstfahrt wird bei Kiepenheuer und Witsch veröffentlicht.

1967
Böll erhält den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Dichtung und Sprache.

1969
Auf der Gründungsversammlung des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) hält Böll seine Rede zum Ende der Bescheidenheit

1970
Böll wird zum Präsidenten des PEN-Zentrums der Bundesrepublik gewählt. Auf dem 1. Schriftstellerkongress des VS spricht Heinrich Böll, in Anwesenheit von Willy Brandt, über die Einigkeit der Einzelgänger.

1971
Der Roman Gruppenbild mit Dame erscheint. Böll wird Präsident des Internationalen PEN.

1972
Heinrich Böll wird der Nobelpreis für Literatur verliehen.

1973 Neue politische und literarische Schriften.

1974 Alexander Solschenizyn wird in die Bundesrepublik abgeschoben und findet in Bölls Haus in der Eifel eine erste Zuflucht. Die Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann erscheint.

1975 Berichte zur Gesinnungslage der Nation.

1976 Annemarie und Heinrich Böll treten aus der katholischen Kirche aus. Zusammen mit Günter Grass und Carola Stern gibt er die Zeitschrift L`76 heraus

1977 Einmischung erwünscht. Schriften und Reden zur Zeit.

1978 Für den Episodenfilm Deutschland im Herbst schreibt Böll eine Szene, in der er das Verhalten der Medien satirisch darstellt.

1979 Fürsorgliche Belagerung.

1981 Was soll aus dem Jungen bloß werden? Oder: Irgendwas mit Büchern. Erste große Friedensdemonstration in Bonn, bei der Böll als Redner auftritt.

1982 Die 1949 entstandene Erzählung Das Vermächtnis erscheint im Lamuv Verlag. Vermintes Gelände — essayistische Reden und Schriften 1977—1981. Die Familie gibt die Wohnung in der Hülchrather Straße auf und zieht in die Nähe Kölns, nach Merten. Tod des Sohnes Raimund.

1983 Die Erzählung Die Verwundung und weitere frühe unveröffentlichte Nachkriegstexte werden vom Lamuv Verlag veröffentlicht.

1984 Ein- und Zusprüche — gesammelten Reden und Essays der Jahre 1981—1983. Im Lamuv Verlag veröffentlicht Böll ein Buch über die Karriere des damaligen bundesdeutschen Regierungssprechers Peter Boenisch, mit dem Titel Bild, Bonn, Boenisch. Die Stadt Köln erwirbt das Archiv Heinrich Bölls.

1985 Heinrich Böll stirbt am 16. Juli in seinem Haus im Eifelort Langenbroich.

Posthum erscheint der wenige Wochen vor Bölls Tod abgeschlossene Roman Frauen vor Flußlandschaft. In Dialogen und Selbstgesprächen der Romanfiguren entwirft Böll einen ebenso resignierten wie radikalen Blick auf die Bonner Republik.