#Save Oleg Sentsov #Free Oleg Sentsov

Chronik

„Kopf hoch und lebe weiter Oleg!“ – waren die Schlüsselwörter, die am 13. Juli 2018 an Oleg Senzow zu seinem 42. Geburtstag adressiert wurden. Schon seit 5 Jahren feiert er seinen Geburtstag im Gefängnis.

Aktion zur Solidarität und Unterstüttzung von Oleg Senzow
Teaser Bild Untertitel
Banner zur Unterstützung von Oleg Sentzow, Solidaritätsbekundung am 10. Juni 2018 in Moskau

Oleg Senzow ist ein ukrainischer Filmregisseur und Vater von 2 Kindern, der in Simferopol geboren wurde und fast sein ganzes Leben auf der Krim wohnte. 2015 wurde er von einem russischen Gericht, wegen der Gründung einer terroristischen Gemeinschaft und Vorbereitung von Terroranschlägen zu 20 Jahren in einer Strafkolonie, mit strengen Haftbedingungen, verurteilt. Momentan verbüßt der Regisseur seine Strafe in der Kolonie „Belyj Medwed“ (Weißer Bär), die sich nördlich vom Polarkreis, in der Stadt Labytnangi befindet. Seine Gefängnisstrafe läuft im Jahre 2034 ab.

Russische und internationale Menschenrechtsorganisationen sind der Meinung, dass das Urteil in Bezug auf Oleg Senzow unbegründet und politisch motiviert sei. Der Regisseur war an keinen Terroranschlägen beteiligt. Unter Folter haben die wirklichen Verantwortlichen für die Brandschläge, bei denen die Tür der Organisation „Russische Gemeinschaft der Krim“ und die Fenster im Gebäude der Parteiabteilung von „Einiges Russland“ angezündet wurden, und die auf frischer Tat erwischt wurden, ein falsches Zeugnis gegen Senzow abgelegt. Dem Regisseur wurde keine dieser Taten nachgewiesen.

Am 14. Mai hat Oleg Senzow einen unbefristeten Hungerstreik angekündigt, indem er die Freilassung der 64 ukrainischen, ihre Strafe in Russland verbüßenden, politischen Genfangenen forderte. Sich selbst hat er in diese Gruppe nicht miteingeschlossen. Bereits früher hatte ein Hungerstreik von dem sowjetischen Schriftsteller und Menschenrechtsaktivisten Anatolij Martschenko stattgefunden, in dem als Ziel die Freilassung aller politischer Gefangener in der Sowjetunion gesetzt wurde. 117 Tage später ist er an Erschöpfung gestorben. Erst danach wurde ein Amnestieverfahren in Gang gebracht.

Seit Beginn seines Hungerstreiks wurde Senzow in eine isolierte Zelle überführt. Am 28. Mai, 15 Tage später, hat er einer Erhaltungstherapie zugestimmt, die aber eine vollwertige Ernährung nicht ersetzen kann. Seit dem Beginn des Hungerstreiks hat Senzow mehr als 20 kg abgenommen. Der Hungerstreik dauert schon mehr als 70 Tage! Den Ärzten zufolge hat Senzow nach dem 47. Tag eine „Grenze der Rückkehr“ überschritten. Man gibt ihm Nährstoffe. Sein Rechtsanwalt Dmitrij Dinse besuchte den Regisseur am 22. Juni und 19. Juli in der Strafkolonie und teilte mit, dass er jetzt Probleme mit dem Herzen und den Nieren hat.

Senzow wird weltweit unterstützt. Solidaritätsaktionen werden in vielen Ländern der Welt unter dem gemeinsamen Motto #FreeOlegSentsov und #SaveOlegSentsov durchgeführt. Menschen aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen setzten sich für Senzow ein: SchriftstellerInnen, FilmemacherInnen, JournalistInnen, AktivistInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen, ukrainische PolitikerInnen, russische WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen, sowie einfache Menschen. Sie alle hoffen auf seine Freilassung.

Bekannte europäische FilmemacherInnen, Mitglieder der Europäischen Filmakademie, und mehr als 130 WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen, berühmte russische SchriftstellerInnen und JournalistInnen haben eine Petition unterschrieben, indem sie zur Freilassung des ukrainischen Regisseurs aufgerufen haben.

Im Juni haben russische AkteurInnen im Rahmen der Aktion #SaveOlegSentsov ein Video aufgenommen, in dem sie seine Geschichten vorlesen, um den ukrainischen Regisseur zu unterstützen. Während der Verleihungszeremonie des „Kinotawr“- Preises haben die Preisrichter sich zum Schutz der Regisseuren Senzow und Serebrennikow geäußert.

Am 14. Juni hat das Europäische Parlament eine Resolution angenommen, in der es Russland dazu aufgerufen hat, Oleg Senzow und andere politische Gefangene freizulassen. Später wurden vom Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland und den bekannten russischen Regisseuren Andrei Swjaginzew und Pawel Lungin, sowie den Journalisten Wladimir Posner und Xenija Sobtschak, mehrere Begnadigungsgesuche an den russischen Präsidenten Wladimir Putin eingereicht.

Die Mutter des Regisseurs Ljudmila Senzowa hat sich ebenfalls mit einem Begnadigungsgesuch an den Präsidenten gewandt. Dem Rechtsanwalt Dmitrij Dinse zufolge will der Regisseur selbst den Präsidenten aber nicht um eine Begnadigung bitten und hat vor, seinen Hungerstreik fortzusetzen. Laut Dinse hat er versprochen, bis zum „Endsieg“ zu hungern, entweder bis er ums Leben kommt, oder bis seine Anforderungen erfüllt werden.

Andere politische Gefangene sind in einen Solidaritätshungerstreik mit Oleg Senzow getreten.

Der Dokumentarfilmregisseur Askold Kurow hat einen Film unter dem Titel „Der Prozess“ gedreht, der von dem Gerichtsverfahren des ukrainischen Regisseurs handelt. Die Premiere hat 2017 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin stattgefunden. Der Film ist kostenlos im Internet verfügbar.

Offensichtlich sind das nur einige von vielen Beispielen der Solidarität. Die Unterstützung geht weiter. Die Menschen, denen es nicht gleichgültig ist, sprechen und schreiben über Senzow.

„Senzow kann jeder Zeit sterben…“ Ist es möglich, weiterhin an das Wunder, die Geisteskraft, den Sieg, die Freiheit... Freiheit für alle politischen Gefangenen zu glauben? 

Quellen: