Digitalisierung und Medien in Russland – neue Chancen für die Zivilgesellschaft?

Fachkonferenz

Am 11. Februar 2019 hat in der Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin ein Gespräch mit russischen und deutschen Expert/innen zum Thema „Digitalisierung und Medien in Russland – neue Chancen für die Zivilgesellschaft?“ stattgefunden. Die Aufnahmen von zwei Diskussionen der Veranstaltung finden Sie auf dem YouTube Kanal der Stiftung.

Eine öffentliche Diskussion bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin
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Eine öffentliche Diskussion bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin

Programm der Veranstaltung

* Im Programm sind die Uhrzeiten in mitteleuropäischer Zeit angegeben

Diskussion 1: "Beschränkte Redefreiheit: Wie der Staat das Internet kontrolliert und eingrenzt" - Video

Diskussion 2: "Neue digitale Medien und zivilgesellschaftliche Solidarität in Russland" - Video

Einerseits liegt Russland in der internationalen Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen erstellt, auf Platz 148 von 180. Die weiteren Aussichten sind noch düsterer: In einem Report zur „Freiheit des Internets“ stellte Agora, eine Vereinigung kritischer Jurist/innen, fest, dass die Verfolgung unliebsamer Journalist/innen, Blogger/innen und Internet-Aktivist/innen zunimmt. Die staatliche Aufsichtsbehörde Roskomnadsor blockiert Messenger-Dienste, die sich weigern, die Daten ihrer Nutzer freizugeben, und Webseiten, die als „extremistisch“ eingestuft werden.

Andererseits bietet das Internet nicht nur weiterhin freie Informations- und Kommunikationsräume für Journalist/innen und zivilgesellschaftliche Aktivist/innen: Online-Journalist/innen behaupten ihre Freiheiten, retten per Crowdfunding ihre Redaktionen und schließen sich in neuen Medienformen zusammen. Medienkanäle in Messenger-Diensten ersetzen die Tageszeitungen, neue Aufklärungsportale wenden sich an verschiedene Zielgruppen, von Historiker/innen über Eltern bis zu Wissenschaftsinteressierten.

Webportale entstehen als journalistisches Gesamtkunstwerk aus der Hand von Autor/innen, Fotograf/innen, Künstler/innen, die so breit und offen über die Gesellschaft berichten wollen, wie es die staatlich kontrollierten Medien längst aufgegeben und verlernt haben. Regionale Blogger und Zwei-Personen-Redaktionen erfinden neu eine ehrliche und originelle lokale Berichterstattung.

Die Gründungswelle im Internet belegt eine lebendige Neuorientierung des russischen Journalismus.  

Mit:

- Damir Gainutdinov, Agora, Moskau
- Anna Golubeva, Colta.ru, Moskau
- Gemma Pörzgen, Journalistin und Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen, Berlin
- Egor Mostovshchikov, Webportal Batenka, Moskau
- Anastasia Lotareva, Webportal "Takie Dela", Moskau
- Aleksey Shlyapuzhnikov, ProWladimir/Sol', Wladimir

Eine Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung mit Solidarität mit der Bürgerbewegung in Russland e.V. (Solidarus)